Parallel zu den zwei großen Winter-Ausstellungen zeigt der Künstler Albrecht Wild – unter dem Titel „Auf Einladung: Bierdeckel, eine Königin und Geishas“ – seine Arbeiten im Studio der Kunststation.
Beim Betreten des Raumes erwartet man „irgendetwas Japanisches“, denn mit einem verrätselten Geisha-Bild wirbt das Kunsthaus für die Schau des Frankfurters. Doch im Studio überwältigt einen sofort die „Kleinsassen-wall“ (Titel) mit 213 Objekten aus verfremdeten Bierdeckeln auf zwei Eckwänden. Hier präsentierte bereits die Fuldaer Künstlerin Anne Kalb vor einiger Zeit ihre bemalten Bierdeckel. Es überrascht immer wieder, wenn profane Alltagsdinge wie diese Pappuntersetzer – respektlos gegenüber der „großen Kunst“ – zu künstlerischen Objekten transformiert werden.
Zunächst erkennt man jedoch kaum Bierdeckel, sondern die vielen Objekte erzeugen insgesamt ein Muster oder Geflecht. Die schiere Menge verschiebt die Wahrnehmung vom einzelnen Gebilde auf das serielle Prinzip. Doch immer wieder schweift der Blick von der Gesamtkomposition ab zu ihren einzelnen Bestandteilen – jeweils einige gleiche Untersetzer wurden durch Schnitte, Anordnungen und Verschiebungen spielerisch neu zusammengesetzt. Mal verfremden sie die erkennbaren Ausgangsbilder, mal verschwindet die ursprüngliche Wirkung. Meist sind die Logos und Motive kaum noch erkennbar.
Wild spielt, experimentiert, verblüfft mit seinem Material, den bedruckten Untersetzern – aber nicht beliebig oder zufällig. Stattdessen entwirft er die Umgestaltungen vorab durch Skizzen und präzise Zeichnungen, die bereits selber Kunstwerke sein könnten – jedoch weder gezeigt noch verkauft werden. Bei Fuldaer Hochstift-Deckeln kann er sich ruhig mal verschnippeln, aber der Schneidekünstler sucht auch weltweit nach herausfordernden, eher seltenen Motiven.
Weiterlesen
